Vom Catwalk zum Bushwalk: Topmodel Aleksandra Ørbeck-Nilsen und die San Namibias

Das norwegische Top-Model Aleksandra Ørbeck-Nilsen begann ihre Modelkarriere mit 15 Jahren. Sie lebte in New York und Paris, doch zuhause war sie eigentlich nirgends, ständig gebucht für Jobs auf der ganzen Welt. Irgendwann riss der Sog der Oberflächlichkeit Ørbeck-Nilsen immer tiefer und sie wollte dem Business entfliehen. Die Begegnung mit den Ju/‘hoan San in Namibia war für die damals 19-Jährige so nachhaltig, dass sie ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellte und nach Namibia zog, um die Ursprünglichkeit dieses Landes zu schützen. Über Jahrtausende hat der San-Stamm, ein Volk der Buschmänner, sein Überleben unter kargsten Bedingungen gemeistert. Doch die größte Herausforderung scheint erst auf sie zuzukommen: die Bedrohung durch die moderne Zivilisation und ihren vermeintlichen Fortschritt.

Nach vier Jahren im Topmodel-Business wollte Ørbeck-Nilsen dem ganzen Wahnsinn des Betondschungels entfliehen und landete – durch Zufall oder vom Schicksal gewollt – in Namibia. Fasziniert von dem Land, seinem Wildleben und seiner Ursprünglichkeit kam Ørbeck-Nilsen in Kontakt mit dem Stamm der Ju/‘hoan San. Sie interessierte sich für ihr Leben und ihre Belange. Die Buschmänner merkten, da ist wer, der uns ernst nimmt und uns respektvoll begegnet. Immer weniger Lebensraum bleibt dem nomadischen Urvolk, immer mehr werden sie von illegalem Landraub ihrer Lebensweise als Jäger und ihrem natürlichen Lebensrhythmus beschnitten. Ørbeck-Nilsen machte Nägel mit Köpfen, sie zog nach Namibia, lebt zusammen mit den San, lernte ihre Sprache und analysierte, wie man das Leben der Buschmänner nach alten Traditionen wahren kann und ihnen zugleich Fertigkeiten an die Hand geben kann, um nachhaltig ihr Fortbestehen in der heutigen Zeit zu sichern. Mit erst 22 Jahren, im Jahr 2011, gründete Ørbeck-Nilsen den Nanofasa Conservation Trust. Eines der Projekte ist das „Ancient Hunting SANdal Project“, für das die San traditionelle Jagd-Sandalen nach altem Vorbild für den Verkauf fertigen. Ørbeck-Nilsen nutzt hierfür ihr Netzwerk aus der Modebranche. Die Einnahmen sollen den San ein Einkommen sichern. Ein weiteres Projekt zur Selbsthilfe ist die „Barefoot Academy“. Hier finden Trainings-, Bildungs- und Forschungsprogramme statt, bei denen beispielsweise die altüberlieferte Kunst des Spurenlesens und die Heilkunde der Frauen, Kenntnisse über Geologie und Botanik an jüngere Generationen weitergegeben werden. All das, was für immer vom Vergessen bedroht wird, soll an der Akademie von Nanofasa bewahrt werden.

Eine weitere Säule der Organisation spiegelt sich in Ørbeck-Nilsens Idee von „travel deeper“ wider – einem Aufruf zu einem nachhaltigen, respektvollem Tourismus, der für ein verträgliches Miteinander von Reiseanbietern, Besuchern des Landes, Natur, Kultur, Abenteuer und Communities steht. Ginge es nach Ørbeck-Nilsen dürften es zum Beispiel keine Tanzaufführungen in Lodges geben, bei denen die Ureinwohner wie im Zirkus vorgeführt werden. Die Touristen sollten stattdessen erfahren, wann und warum die Stämme so tanzen wie sie tanzen. Es soll nicht um reine Unterhaltung gehen, sondern, um ein Vermitteln von Kultur auf respektvolle Weise.

Ørbeck-Nilsen ist auf ihrem Weg mit Nanofasa auf Gleichgesinnte gestoßen. Unter anderem das Management des Ongava Game Reserves, südlich des Etoscha Nationalparks. Die 30.000 Hektar gelten  als eines der größten und erlesensten privaten Naturreservate Namibias. Die vier angesiedelten Lodges (Little Ongava, Ongava Camp, Ongava Tented Camp, Andersson’s Camp) werden unter dem Leitmotiv “Nature First” geführt. Ongava plant gerade ein umfängliches Projekt mit den Hai//om San, einem weiteren Stamm der existenziell bedrohten Buschmännern des Landes. Bei diesem Projekt möchte Ørbeck-Nilsen ihre Erfahrung einfließen lassen, eine enge Zusammenarbeit von Nanofasa und Ongava ist angedacht.

Am Donnerstag, den 19. Oktober 2017, lud der Münchner Luxus-Reiseveranstalter art of travel im exklusiven Kundenkreis zu einer Charity-Veranstaltung für Nanofasa ein. Aleksandra Ørbeck-Nilsen und Rob Moffett, Director Sales & Marketing des Ongava Game Reserve, waren gemeinsam mit art of travel die Gastgeber des Abends und steckten alle Anwesenden mit ihrer inspirierenden Botschaft zum Umweltschutz und Schutz endogener Völker an. Als die Geschäftsführung von art of travel von der Initiative von Ørbeck-Nilsen erfuhr, ergriff sie die Initiative die Norwegerin exklusiv nach Deutschland einzuladen, um ihren Conservation Trust vorzustellen. Für den exklusiven Reiseveranstalter deckt sich Ørbeck-Nilsens Credo „travel deeper“ mit seiner Philosophie. Denn für ihn ist Luxusurlaub ist nicht nur eine Frage der Sterne und Hotelkategorie, sondern auch der Authentizität und der Begegnung mit fremden Kulturen.

Ørbeck-Nilsen schloss ihre Rede an diesem Abend mit der Erkenntnis, dass sie mit der Gründung von Nanofasa nach Namibia kam, um den Menschen zu helfen. Doch nachdem sie diese Menschen verstand, erkannte sie, dass das Gegenteil der Fall war: sie fand bei den San Hilfe für etwas, das sie erst im Nachhinein begriff, das Heilmittel für eine Krankheit, die sie „Poverty of Perception“ nennt. Eine Volkskrankheit der westlichen Welt, die mit „Mangel an Empathie“ nur unzureichend beschrieben ist. Ørbeck-Nilsen lernt etwas Grundlegendes von diesem uralten Buschvolk: Zuhören, Teilen und Respekt vor jedem Lebewesen, ob Baum, Tier oder Mensch, vorbehaltlos und bedingungslos.

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