Namibia Safari zu den Wüstenelefanten

Das Leben in der Wüste Namib

An der Westküste Afrikas liegt eine der wenigen Küstenwüsten der Erde: Die Namib, die älteste Wüste der Welt. Sie umfasst ein Gebiet von etwa 2000 Kilometern von der Skelettküste bis ins Landesinnere hinein. Temperaturschwankungen von über 50°C, Sandstürme und Trockenperioden geben nur denjenigen, die sich angepasst haben, eine Chance zu überleben. Darunter fällt auch der seltene Wüstenelefant. Der Wüstenelefant ist ein Nomade und wandert zwischen den Kabere Bergen, die sich im Landesinneren befinden, bis zur Skelettküste am Atlantik. Dabei kann er täglich bis zu 70 Kilometer laufen. Er nutzt dazu die sogenannte Elefanten-Autobahn. So werden die ausgetrockneten Flussbetten bezeichnet, in denen der Wüstenelefant seinen Weg zurücklegt. Das ist sinnvoll, denn jedes von ihnen birgt eine unterirdische Quelle, die mit ein wenig Mühe zum Vorschein gebracht werden kann. Solche, von Elefanten gegrabenen, Wasserlöcher nennt man “Gorras”.

Vor dem Einsetzen der Regenzeit – die alle paar Jahre stattfindet – verlassen die Elefanten das Flussbett, ansonsten würden sie darin ertrinken. Woher sie allerdings wissen, dass die Regenzeit naht, ist noch nicht erforscht. Ist die Regenzeit vorbei, kehren die Tiere wieder in die Flussbetten zurück und wandern auf diesem Weg weiter. Neben der Population im Nordwesten Namibias, gibt es auch noch eine kleine Gruppe Wüstenelefanten, die sich in Mali aufhält.

Was die Wüstenelefanten so besonders macht

Genetisch betrachtet gibt es keinen Unterschied zwischen dem Afrikanischen Elefanten und dem Wüstenelefanten. Da die Wüstenelefanten aber in einer Region leben, die sehr karg ist, haben sie sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und an die Gegebenheiten angepasst. Durch diese Weiterentwicklung können sie auch äußerlich vom normalen Afrikanischen Elefanten unterschieden werden:

Im Gegensatz zu ihren Artgenossen sind die Fußsohlen der Wüstenelefanten größer und die Beine länger. Außerdem sind sie schlanker, da sie auf der Suche nach Nahrung viel weitere Strecken zurücklegen müssen. Während dieser Zeit kann der Wüstenelefant bis zu vier Tage ohne Wasser überleben und nimmt außerdem nur einen Bruchteil der Wassermenge auf, die sein Verwandter, der Afrikanische Elefant, aufnehmen kann. Die extremen Umweltbedingungen wirken sich auch auf die Geburtenrate bei Wüstenelefanten deutlich aus. Sie bekommen viel seltener Kälber. Ist der Nachwuchs erst einmal da, muss er etwa doppelt so lange gesäugt werden wie der des Afrikanischen Elefanten.

Die ersten Wochen sind für das Überleben der Kälber entscheidend, denn auch sie müssen die beschwerliche Reise zur Atlantikküste antreten. Hier gibt es um ein Vielfaches mehr an Wasser und Nahrung sowie, bedingt durch die Küstenlage, kühlere Temperaturen. Haben sie die Reise geschafft, ist ihr Überleben so gut wie sicher. In der ganzen Zeit wird die Herde, die um einiges weniger Tiere zählt als bei anderen Elefanten, von einer Elefantenkuh, der Matriarchin, angeführt. Ihre Aufgabe besteht nicht nur darin Wasserstellen zu finden, sondern auch die Herde zu verteidigen.
Durch dieses beschwerliche Leben unterscheidet sich auch die Art und Weise wie sie schlafen von der anderer Elefanten. Normalerweise schlafen diese Tiere im Stehen, da sie sich sonst angreifbar machen würden. Der Wüstenelefant hingegen legt sich zum Schlafen hin. Da sie aber schlanker und kleiner sind als der reguläre Afrikanische Elefant, können sie auch schneller wieder aufstehen und sich im Notfall verteidigen.

Die Wüstenelefanten und der Tourismus

Um einen Wüstenelefanten leibhaftig sehen zu können, muss eine Führung mit einem Guide gebucht werden. Auf einer organisierten Namibia-Safari kümmern sich die Führer um die Touristen: Sie kochen, schlagen die Lager auf und sorgen dafür, dass der Ausflug nicht zu riskant wird. Da es nur sehr wenige – momentan weltweit nur etwa 600 – Wüstenelefanten gibt, gilt diese Regelung, dass ein Guide zugegen sein muss, auch zum Schutz der Dickhäuter.

Die Tiere leben in einer sehr kargen, wenig besiedelten Gegend und sind Menschen auch nicht so gewohnt wie andere Elefanten. Deshalb ist es ratsam einen gebührenden Abstand einzuhalten und auf den Guide zu hören, damit die Tiere sich nicht bedroht fühlen und zum Angriff übergehen. Wer sich einer solchen Afrika Safari-Reise anschließt, muss aber auch damit rechnen, dass er keine Wüstenelefanten zu sehen bekommt. Durch die langen Wanderungen in oftmals unwegsames Gebiet scheinen sie für so manchen Touristen wie vom Erdboden verschluckt worden zu sein.

Das Zusammenleben mit der einheimischen Bevölkerung

Der Konflikt mit dem Menschen dauert schon seit Jahrzehnten an. Er ging sogar so weit, dass es in den Achtzigerjahren nur noch 300 lebende Tiere von ursprünglich mehr als 3000 Exemplaren gab. Doch seit 1990, als Namibia als unabhängig anerkannt wurde, hat sich auch der Naturschutz zum Besseren gewandelt. Die Population der Wüstenelefanten erholt sich langsam aber stetig.
Die wachsende Zahl der Tiere birgt jedoch Probleme: Zerstörte Felder, kaputte Viehtränken und das in einer Gegend, in der das Überleben sowieso schon schwierig genug ist. Brunnen und Wassertanks müssen durch Mauern geschützt werden, damit die Wüstenelefanten diese nicht auch zerstören. Durch den ausgeprägten Geruchssinn können die Dickhäuter das Wasser aus großer Entfernung riechen.

Wenn die Tiere die Wasserquellen der Menschen auch noch selbst nutzen würden, wäre der Unmut bei den Einheimischen noch größer und die Tiere würden vertrieben oder getötet werden. Um das zu verhindern, werden mittlerweile vielerorts Tränken aufgestellt, die einigen Abstand zu den Quellen der Menschen haben. So werden die Riesen erfolgreich auf Abstand gehalten. Auf Dauer wird das aber keine Lösung sein. Im Gespräch ist nun ein künstlich herbeigeführter Korridor zwischen dem Etosha-Nationalpark und der Atlantikküste, damit die Einheimischen und die Wüstenelefanten friedlich miteinander leben können. Bis zur Umsetzung ist es allerdings noch ein weiter Weg.

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