Malawi: Fischereiverbot soll Buntbarsche retten

Die Überfischung bedroht die Existenz von Fischerfamilien am Malawisee. Der drittgrößte See Afrikas beherbergt die größte Anzahl endemischer Fischarten der Welt: Neunzig Prozent der fast tausend Arten im See sind nur hier zu finden. Der überwiegende Teil sind Buntbarsche. Allerdings sind die Bestände in den letzten Jahren deutlich geschrumpft. Laut einem Bericht der Southern African Development Community (SADC) haben Fischer vor wenigen Jahren täglich bis zu 5 000 Fische gefangen. Heute beträgt die Ausbeute manchmal sogar weniger als 300 Fische.

Betroffen sind vor allem Frauen, die vom Fischhandel leben. Ein Beispiel dafür ist Judith Kananji aus dem Lakeshore-Viertel in Mangochi, einer Stadt am südlichen Zipfel des Sees. Kananji erzählt, dass sie den Handel mit Fischen aufgegeben habe, weil er immer weniger lukrativ geworden sei. „Das Problem ist, dass nur noch kleine Fische erhältlich sind, die obendrein viel zu teuer sind“, sagt Kananji im Interview mit der Nachrichtenagentur IPS. Früher konnte sie mit größeren Fischen gute Gewinne erzielen. Ihr Kapitaleinsatz hat sich in den letzten acht Jahren aber vervielfacht: Im Jahr 2010 bezahlte sie für den Ankauf von Fischen 137 US-Dollar. Heute muss sie für die gleiche Gewichtsmenge 1 095 Dollar aufbringen.

Die Regierung hat deshalb gemeinsam mit Fischereiverbänden Gegenmaßnahmen ergriffen. Im November und Dezember ist die Fischerei auf dem Malawisee untersagt, damit sich der Bestand erholen kann. Die Anrainergemeinden gehen sogar noch weiter und haben das Fischereiverbot auf fünf Monate bis Ende März ausgedehnt. Seitdem steigt die Menge an Buntbarschen wieder deutlich an.

Kommerzielle Fischereibetriebe halten sich aber nicht immer an das Verbot. Ihnen drohen hohe Strafen. Verstöße werden mit einer Geldbuße von 1 095 US-Dollar oder 60 Monaten Gefängnis mit harter Arbeit geahndet. Den Fischerei-Inspektoren am Malawisee sind bereits mehrere Schwarzfischer ins Netz gegangen.

Mit freundlicher Unterstützung der Nachrichtenagentur afrika.info