Kenia: Umstrittene Bahnlinie durch Nairobi-Nationalpark

Der Nairobi-Nationalpark ist weltweit einzigartig. Denn wo kann man schon wild lebende Tiere in direkter Nachbarschaft zu einer Millionen-Metropole erleben? Südlich von Nairobi ist das möglich. Nur etwa sieben Kilometer vom Stadtzentrum entfernt leben Nashörner, Giraffen, Löwen, Leoparden, Flusspferde und viele weitere Arten auf einem 117 km2 großen Gebiet.

Doch ein Infrastrukturprojekt der Regierung ruft Unmut unter Tier- und Naturschützern hervor. Der Grund: Quer durch den Nationalpark wird eine Bahntrasse gebaut. Sie ist als Brücke konzipiert und soll auf 182 Pfeilern über sechs Kilometer Länge errichtet werden. Das Bauprojekt wird den Park etwa ein Fünftel Hektar Land kosten. Laut einem Bericht der Deutschen Welle sei diese Trassenführung die beste Alternative, da sie dem Park am wenigsten Fläche raube – so die Meinung der Behörden. Umweltschützer beklagen, dass der Bau der Bahntrasse gegen Gerichtsurteile und geltende Gesetze verstoße. Sie befürchten außerdem negative Auswirkungen während der Bauphase für die Tiere, zum Beispiel durch Sprengungen und Baulärm. Diese Folgen seien vorab nicht genügend untersucht worden. Die Bahnlinie ist Teil eines groß angelegten Infrastrukturprojekts der Regierung. Der erste Abschnitt der Bahnstrecke von der Küstenmetropole Mombasa nach Nairobi ist bereits fertig gestellt. Die zweite Bauphase durch den Nationalpark ist aktuell im Gange. Wie groß der Einfluss auf die Tierwelt letztendlich sein wird, kann man wohl erst nach Fertigstellung und Inbetriebnahme der Strecke absehen.

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